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Internationalisierung der europäischen Top 5 Fußball-Ligen

Internationalisierung der europäischen Top 5 Fußball-Ligen

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Die Internationalisierung der Fußball-Bundesliga ist in vollem Gange, nachdem die Deutsche Fußball-Liga (DFL) in der Vergangenheit mehrfach die Notwendigkeit einer stärkeren Internationalisierung forderte. So erhöhte sich in den letzten Jahren zunehmend nicht nur die Anzahl an Nachrichten zu Auslandsaktivitäten der Großen, sondern auch der kleineren Bundesligaclubs.

Doch wie lässt sich die Internationalität der Bundesliga im Vergleich zu den anderen vier europäischen Top-Ligen aus England, Spanien, Italien und Frankreich in Zahlen ausdrücken? Die Antwort auf die Frage nach der internationalsten Liga bzw. den internationalsten Clubs hat Advant erstmals im Jahr 2014 beantwortet. Damals belegte die Bundesliga hinter der englischen Premier League einen guten zweiten Platz. Um die Entwicklungen und Veränderungen der letzten Jahre aufzuzeigen, stellt Advant nun erneut ein Internationalisierungs-Ranking aller 98 Clubs der europäischen Top-5-Ligen auf.

Berechnet wird das Ranking anhand von fünf zentralen Kriterien, die Aussagen über den Internationalisierungsstand der jeweiligen Ligen sowie Clubs ermöglichen. Neben dem prozentualen Anteil ausländischer Partner am Sponsorenpool (1.-3. Sponsorenebene), sind dies die Anzahl an offiziell verfügbaren Sprachen der Vereinswebseite, der Anteil ausländischer A-Nationalspieler am Spielerkader, die absolute Anzahl ausländischer Facebook-Fans sowie eine Kennzahl, die berücksichtigt, ob und wohin der Club in der aktuellen Spielzeit 2016/2017 im Rahmen von Trainingslagern oder Freundschaftsspielen eine Auslandsreise unternommen hat. Die Kategorien „Partnerschaften“, „Kader“ und „Vereinshomepage“ wurden mit je 25 Prozent, der Faktor „Facebook-Fans“ mit 20 Prozent gewichtet. Da die Bundesliga mit ihrer mehrwöchigen Winterpause ihren Clubs ein zusätzliches Zeitfenster für Auslandsreisen bietet und kleinere Clubs oftmals sportliche Gesichtspunkte den möglichen Marketing-Auslandsreisen vorziehen, wurde der Faktor „Trainingslager“ mit lediglich 5 Prozent gewichtet.

 

Bundesliga verteidigt zweiten Platz hinter Premier League

Im Ergebnis verfügt die englische Premier League nach wie vor über die stärkste internationale Ausrichtung. Dahinter konnte die deutsche Bundesliga den Verfolgerplatz vor der spanischen LaLiga Santander, der italienischen Serie A und der französischen Ligue 1 verteidigen. Während die Premier League jedoch seit 2014 ihre Gesamtpunktzahl um lediglich 13% steigern konnte, gelang der Bundesliga im selben Zeitraum ein Anstieg um 21%. Dies zeigt, dass die Bundesliga im Bereich der Internationalisierung stark aufholt.

 

FC Barcelona führt Rangliste an – Bayern München einziger deutscher Club in Top-10

Aus Clubsicht hat sich dieses Jahr der FC Barcelona vor seinem nationalen Rivalen Real Madrid durchgesetzt. Dahinter folgt ein englisches Trio: Manchester City, Chelsea FC sowie der Ranglistenerste von 2014, Manchester United. Die englische Premier League dominiert dabei mit insgesamt fünf Vertretern die Top-10. Der einzige deutsche Club in den Top-10, der FC Bayern München rangiert mit etwas Abstand an sechster Stelle, hat sich jedoch gegenüber 2014 um immerhin drei Ränge verbessert. Juventus, einziger italienischer Club in den Top-10, verdrängte seinen nationalen Konkurrenten, den AC Mailand. Auch der französische Club Paris Saint-Germain bleibt der einzige Vertreter seines Landes in den Top-10.

 

#1 Top-Clubs mit vielen ausländischen Partnern

Mit Blick auf die Kategorie „Partnerschaften“ setzen fast alle Top-10 Clubs vorwiegend auf Sponsoren, die nicht im eigenen Land beheimatet sind. Einzig der FC Bayern München (40%) sowie Juventus  (45%) haben vergleichsweise weniger ausländische Sponsoringpartnerschaften und liegen in dieser Kategorie lediglich auf dem 23. bzw. 18. Platz. Im Schnitt schließen die Top-10 Clubs hingegen auf den entscheidenden Ebenen Kooperationen zu fast drei Viertel (74%) mit ausländischen Unternehmen ab.

Die Spitzenwerte der englischen Clubs übersteigen in dieser Kategorie die 90%-Marke, während der VfL Wolfsburg die interne Bundesliga-Rangliste mit gerade einmal 48% anführt. Zudem ist der durchschnittliche Wert der Bundesligisten von 25% auf 20% gesunken. Auffallend ist auch, dass vor allem die spanischen Clubs Real Madrid und FC Valencia den Anteil an ausländischen Partnerschaften in den letzten zwei Jahren seit der letzten Untersuchung deutlich erhöht haben.

 

#2 Webseite oftmals nur in Landessprache

In der Kategorie „Vereinshomepage“ sind im Vergleich zur Untersuchung 2014 lediglich geringe Änderungen festzustellen. Nach wie vor bietet Manchester City seinen weltweiten Fans mit 13 Versionen die meisten Sprachen für seine Webseite an. Die Bundesliga belegt in dieser Kategorie ligaübergreifend den Spitzenplatz und kann durchschnittlich 2,9 Sprachversionen pro Club vorweisen. Dahinter folgen die Premier League und die Primera División mit je 2,7 Sprachversionen pro Club. Auffällig ist weiterhin, dass wie bereits 2014, fast die Hälfte der Clubs die offizielle Homepage nur in der eigenen Landessprache zur Verfügung stellt. Auch wird deutlich, dass die Top-10 Clubs dieser Kategorie kaum neue Sprachversionen hinzugefügt haben.

 

#3 Hohe Quote an ausländischen A-Nationalspielern

Der Kaderzusammensetzung kommt bei der Internationalisierung eine wichtige Rolle zu, vor allem hinsichtlich A-Nationalspielern, die in ihrer jeweiligen Heimat über einen hohen Bekanntheitsgrad verfügen.
Davon profitiert allen voran Chelsea FC, der mit 73% den höchsten Anteil ausländischer A-Nationalspieler hat. Im Vergleich dazu besitzt Borussia Dortmund in der Bundesliga mit 45% den höchsten Anteil ausländischer A-Nationalspieler, gefolgt vom FC Bayern München (44%). Ligaübergreifend besitzt die englische Premier League den höchsten Anteil an A-Nationalspielern (46%), gefolgt von der Bundesliga mit 32%, die diesen Wert seit 2014 um 5% steigern konnte, was sicherlich auch für eine positive Entwicklung des sportlichen Wertes der Bundesliga spricht.

 

#4 Spanische Dominanz auf Facebook

Das Einbinden der vereinseigenen Social Media-Kanäle spielt im Rahmen der Internationalisierung eine immer wichtiger werdende Rolle. Dies vor allem im Hinblick darauf, die weltweiten Fans minutiös mit aktuellsten Informationen zu versorgen und mit ihnen zu kommunizieren. Mit über 90 Mio. ausländischen Facebook-Fans belegen die spanischen Top-Clubs, der FC Barcelona und Real Madrid, die ersten beiden Plätze. Der beste deutsche Club, der FC Bayern München, konnte die Anzahl seiner ausländischen Facebook-Fans seit 2014 um 125% steigern und liegt mit über 37 Mio. ausländischen Facebook-Fans derzeit auf Rang 5. Jedoch rangieren die spanischen Top-Clubs FC Barcelona und Real Madrid, aber auch Manchester United und Chelsea FC weit vor dem FC Bayern München. Andere deutsche Clubs wie Borussia Dortmund (13 Mio. / Platz 12), Bayer 04 Leverkusen (2,4 Mio. / Platz 23) oder der FC Schalke 04 (2,3 Mio. / Platz 24) haben zudem im Vergleich zu den anderen europäischen Top-Clubs noch deutliches Verbesserungspotential. Der Vorsprung der Top-10 Vereine im internationalen Vergleich wird deutlich, wenn man berücksichtigt, dass die Top-10-Vereine der Gesamtrangliste im Schnitt auf 47 Mio. ausländische Follower kommen, während die übrigen Vereine im Schnitt lediglich 1,4 Mio. ausländische Facebook-Fans haben. Alleine der FC Barcelona, Real Madrid, Manchester United sowie Chelsea FC haben, wie bereits 2014, in Summe mehr Fans als die übrigen 94 Clubs. Ungeachtet dessen konnte die Bundesliga die Anzahl ihrer ausländischen Facebook-Fans seit 2014 verdoppeln.

 

#5 Trainingslager als strategische Entscheidungen

In der Kategorie „Trainingslager“ fällt auf, dass unter den Top-10 Clubs des Gesamtrankings neun Vereine eine Reise über die europäischen Grenzen hinaus unternommen haben. Lediglich der FC Barcelona blieb im Rahmen seines Sommer-Trainingslagers bzw. Freundschaftsspielen innerhalb der europäischen Kontinentalgenzen. Insgesamt unternahmen im vergangenen Jahr 30 der 98 Clubs Reisen nach Übersee, sieben davon aus Deutschland. Nach wie vor bevorzugt der Großteil der deutschen Clubs jedoch das Inland bzw. europäische Ausland, wobei nicht selten sportliche Gründe ein ausschlaggebender Faktor sind – obwohl die Bundesliga mit der Winterpause im Vergleich zu den anderen Ligen ein relativ großes Zeitfenster zur Durchführung von Auslandsreisen bietet. Wichtiger Wettbewerbsvorteil kann für die Bundesligaclubs in Zukunft sein, die zusätzlich zur Verfügung stehende Winterpause für weitere Auslandsreisen zu nutzen.

 

Potenziale für Bundesligisten vor allem im Bereich Social Media und Partnerschaften

Während die Bundesliga im direkten Vergleich der Ligen ihren guten zweiten Rang aus dem Jahr 2014 bestätigt, haben einzelne Clubs noch großes Verbesserungspotenzial. Einzig das deutsche Aushängeschild, der FC Bayern München, schafft es mit dem Sprung vom neunten auf den sechsten Rang erneut unter die Top-10 des Gesamtrankings. Nachfolgend belegen Borussia Dortmund Platz 15 und der FC Schalke 04 Platz 20, die in den letzten Jahren somit neun bzw. eine Position gutgemacht haben. Komplettiert werden die deutschen Top-5 vom VfL Wolfsburg (23.) sowie Borussia Mönchengladbach (26.). Erwähnenswert aus deutscher Sicht ist zudem RB Leipzig, die in der ersten Bundesligaspielzeit den achten und europaweit 33. Rang belegen.

Betrachtet man einzelne Bewertungskategorien, liegen für die Bundesliga insbesondere im Bereich internationale „Partnerschaften“ noch Potentiale. Durchschnittlich unterstützen lediglich 20% ausländische Partner die deutschen Clubs. Demgegenüber liegt der Wert in der Premier League bei nahezu 50% und in der spanischen LaLiga bei fast 35%.

Ein ähnliches Bild ergibt sich im Bereich Facebook-Fans. Die Bundesligaclubs kommen auf durchschnittlich 3,2 Mio. ausländische Fans, die englischen und spanischen Clubs hingegen auf durchschnittlich mehr als 10 Mio.

Inwieweit und ob der Abstand zur englischen Premier League und deren Clubs in den nächsten Jahren verringert werden kann, wird sich zeigen. Wichtig erscheint vor allem, den Abstand zu den nachfolgenden Ligen, insbesondere der Primera División, zu verteidigen. Optimistisch sollte stimmen, dass die Ligen aus Italien und Frankreich erst mit großem Rückstand folgen.

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